Jedes Jahr dieselbe Geschichte. Im Juni können wir den Sommer kaum erwarten. Im Juli stehen wir dann vor dem Ventilator wie vor einem Altar und fragen uns, ob es wirklich normal ist, dass Asphalt fast flüssig wird. Vielleicht wäre genau dann der richtige Moment, um endlich die Schlaglöcher auf unseren Straßen auszubessern. Nur so ein Gedanke.
Und dann hat irgendjemand ein neues Modewort erfunden: Coolcation.
Genau.
Anstatt im Sommer noch heißere Reiseziele zu suchen als zu Hause, fahren wir jetzt dorthin, wo es angenehm kühl ist.
Als hätte man das Rad neu erfunden.
Bravo.
Manche verbringen ihren Sommer schon seit Jahren lieber in den Bergen als am Meer. Aber seit TikTok und Reise-Influencer die Welt entdeckt haben, ist plötzlich allen klar geworden, dass man sich nicht unbedingt an überfüllten Adriastränden drängeln muss. Und dass eine perfekt gebräunte Haut mit erhöhtem Hautkrebsrisiko vielleicht doch nicht mehr so angesagt ist.
Also pilgern jetzt alle in die Dolomiten – weil es dort kühl, wunderschön und angeblich nicht überlaufen ist.
Tja. Jetzt sind die Dolomiten eben auch überlaufen.
Noch mal: Bravo.
In den letzten Jahren hat der Coolcation-Trend auch Sloweniens Alpen erreicht. Für viele bedeutet das vor allem das smaragdgrüne Soča-Tal, den Bleder See mit seiner berühmten Cremeschnitte und die Julischen Alpen. Das Paradies für Wanderer, Radfahrer, Kletterer und eigentlich alle, die mehr Outdoor-Ausrüstung besitzen als normale Kleidung.
Die slowenische Alpenwelt ist größer, als man denkt.
Dazu gehört nämlich auch das Pohorje.
Hier beginnt gewissermaßen die Bergwelt Sloweniens, bevor sie sich zu den höchsten Gipfeln der Julischen Alpen erhebt. Zugegeben – Rogla liegt mit rund 1.500 Metern nicht im Hochgebirge.
Aber hoch genug, um der Sommerhitze im Tal zu entkommen.
... und oft teuer dafür bezahlen, überlegst du auf der Rogla morgens eher, ob du nicht doch eine leichte Jacke anziehen solltest.
Kennst du dieses Gefühl, morgens das Fenster zu öffnen und statt heißer Luft den Duft eines frischen Fichtenwaldes einzuatmen?
Genau das erwartet dich hier.
Und ehrlich gesagt: Es macht ziemlich schnell süchtig.
Foto: Domen Hohler
Während sich unten im Tal Autos in rollende Saunen verwandeln und darüber diskutiert wird, wer vergessen hat, die Klimaanlage einzuschalten, überlegst du auf der Rogla nur noch, ob du heute zu den Lovren-Seen wanderst, eine Radtour machst oder einfach gemütlich zwischen den Fichten spazieren gehst.
Schwere Entscheidungen.
Sondern auch ein bisschen mehr Lebensqualität.
Keine Extreme.
Kein Gefühl, dass die Sonne persönlich etwas gegen dich hat.
Kein Sprint in den nächsten Supermarkt, nur um fünf Minuten vor der Kühlabteilung zu stehen.
Dafür gibt es Wald.
Viel Wald.
Viel Schatten.
Und frisches Trinkwasser direkt aus dem Wasserhahn.
Heute spricht jeder von nachhaltigem Tourismus, Slow Travel und Urlaub abseits der Menschenmassen.
Man könnte fast meinen, sie beschreiben Rogla.
Man muss nicht bis nach Skandinavien fahren, um einen angenehmen Sommer zu erleben.
Man muss nicht um einen Quadratmeter Platz am Strand kämpfen, auf dessen Handtuch ohnehin ständig jemand tritt.
Man fährt einfach ein oder zwei Stunden von zu Hause los und merkt plötzlich:
Der größte Luxus ist manchmal ganz einfach, dass einem nicht heiß ist.
Foto: Domen Hohler
Vielleicht haben wir nur alle – langsam und gleichzeitig erstaunlich schnell – verstanden, dass der Sommer keine Mutprobe sein muss.
Dass Urlaub kein Wettbewerb um die tiefste Bräune ist.
Sondern Zeit, um abzuschalten.
Vor allem dann, wenn man selbst schon kurz vor dem Ausbrennen steht.
Wald statt Beton.
Schatten statt sengender Sonne.
Frische Bergluft statt einer Klimaanlage, die so kalt bläst, als säße dahinter persönlich ein Eisbär.
Auf der Rogla nennen wir das übrigens nicht Coolcation.
Für uns war das schon immer einfach Sommer.